IVW-Auflagenbilanz zeigt: Naturnähe zieht bei Zeitschriften immer noch

Vor einigen Jahren sind die Zeitschriftenregale förmlich explodiert vor lauter Land-Zeitschriften: Angefangen hat der Siegeszug der ländlichen Lektüre mit dem Flagschiff Landlust, bald folgten Mein schönes Land, Liebes Land, LandIdee, Landleben und zahlreiche weitere Titel. Nun könnte man meinen, dass die Leser langsam genug haben von alten Handwerken, natürlicher Dekoration, selbstgemachten Hausmitteln, Tier-Geschichten und traditionellen Kochrezepten. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Dem ist nicht so.

Wohin sich Zeitschriften auflagentechnisch entwickeln wird von einer Organisation mit dem etwas sperrigen Namen Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erfasst. Im letzten Quartal haben einige Titel im Vergleich zum Vorjahr an verkauften Exemplaren zugelegt – und das in Zeiten, in denen gedruckte Publikationen bereits als Quasi-Mediendinosaurier gehandelt werden. Unter den Aufsteigern sind auffallend viele Natur-Magazine: Ziemlich weit vorne im Ranking befindet sich zum Beispiel die Zeitschrift GartenIdee mit einem Plus von über 15.600 verkauften Exemplaren (und das mitten im Winter). Ebenfalls Leser dazugewonnen haben die Zeitschriften LandIdee, Liebes Land, Bergwelten, Servus in Stadt & Land und Mein schönes Land. Eine Überraschung ist der Spitzenreiter: Die Kinderzeitschrift Prinzessin Lillifee Zauberwelt verzeichnet ein absolutes Wachstum von 26.000 verkauften Exemplaren mehr als noch im letzten Quartal 2018.

Warum die naturnahen Magazine einen Aufschwung erleben, könnte zweierlei Gründe haben: Einerseits liegt Nachhaltigkeit mehr denn je im Trend. Wir bemühen uns, bewusst und möglichst im Einklang mit der Natur zu leben – oder zumindest würden wir das gerne: weniger Müll produzieren, Gemüse selbst züchten, zum Hobby-Imker werden. Auf der anderen Seite helfen die Magazine, die Klimadebatte sowie politische und gesellschaftliche Krisen einfach auszublenden. Statt auf das Weltgeschehen zu schauen, das ohnehin schon präsent genug ist, flüchtet sich der geneigte Leser lieber ins überschaubare Klein-Klein des eigenen Vorgartens oder wahlweise Balkons. Die Land-Zeitschriften erzählen immer wieder aufs Neue, wie schön das Leben mit Tieren, Pflanzen und der Natur im Allgemeinen ist. So oder so: Bleibt nur zu hoffen, dass die ländliche Inspiration einen Eindruck beim Leser hinterlässt – und dieser die Welt anschließend ein Stückchen besser macht.

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