Feinstes Sprachwissen, in kleinen Häppchen serviert

Tag für Tag beschäftigen wir uns mit Wörtern, Sätzen und Formulierungen. Dabei stoßen wir immer wieder auf Kuriositäten, die wir flugs in Seidenpapier einschlagen und in unserer Schachtel für erlesenes Textkonfekt verwahren. Ehe die Schachtel zu voll wird, holen wir nun sechs Sprach-Leckerbissen hervor, die Sie sich auf der Zunge zergehen lassen können. Bon Appétit!

  1. Wer genug gegessen hat und daher keinen Hunger mehr verspürt, ist satt. Aber was ist man eigentlich, wenn man keinen Durst mehr hat? Wer sich das schon öfter gefragt hat, findet hier die Antwort: Man ist sitt. Tatsächlich existiert das Kunstwort schon seit einem Wettbewerb im Jahr 1999, bei dem der Duden gemeinsam mit dem Getränkehersteller Lipton nach den besten Vorschlägen für „nicht mehr durstig“ suchte. Aus den 45.000 eingesendeten Wörtern suchte man damals „sitt“ aus, weil es gut aussprechbar und flektierbar ist und keinen Markennamen enthält wie zahlreiche andere Einsendungen, darunter gecoked oder liptoniced.
    Besonders kurios: Der Duden und Litpon waren nicht die ersten, die einen solchen Wettbewerb veranstalteten. Bereits 1993 hatte die Deutsche Gesellschaft für Sprache eine ähnliche Ausschreibung gestartet, doch leider konnten die Entscheider sich auf keine der Einsendungen einigen.


  2. Auf dem Frühstückstisch darf bei uns etwas Fruchtig-Süßes natürlich nicht fehlen! Das geht aber nicht nur uns so, sondern laut einer jüngst veröffentlichen Datenerhebung der Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) fast der Hälfte der über 14-jährigen Deutschen. Das Wort Marmelade stammt jedoch nicht – wie wir lange dachten – aus dem Deutschen, sondern leitet sich von dem portugiesischen Wort „marmelo“ für „Quitte“ ab. Und auch die Konfitüre haben wir Deutschen geklaut, nämlich von den Franzosen.

  3. Dafür schaffen es deutsche Wörter auch manchmal in andere Länder. Bestes Beispiel ist das im Russischen gebräuchliche buterbrod, ein Lehnwort des deutschen „Butterbrots“. Erstaunlich, dass ein simples Brot mit Butter die Menschen über die deutschen Landesgrenzen hinweg so begeistern kann!

  4. Na, haben Sie schon einmal von einem Meuchelpuffer gehört? Für uns klingt das beim ersten Hören fast wie eine spezielle Kartoffelpuffer-Art – das ist er aber nicht. Der Meuchelpuffer war lediglich ein missglückter Versuch des Schriftstellers Philipp von Zesen, das aus dem Tschechischen stammende Wort Pistole durch eine deutsche Version zu ersetzen. Dieses Vorgehen nennt sich deutscher Sprachpurismus – und es hat noch zahlreiche andere sprachliche Sonderlinge hervorgebracht, etwa „Geistesanbau“ (Kultur), „Zwischenstille“ (Pause), „Dörrleiche“ (Mumie), „Polsterbett“ (Sofa) oder „Schalksernst“ (Ironie).

  5. Zwei Gemeinsamkeiten einen das Bäckereieierzeugnis und Bioeier: Beide sind essbar – und beide enthalten jeweils fünf aufeinanderfolgende Vokale. Mehr geht im Deutschen übrigens nicht, zumal alle Wörter mit fünf aufeinanderfolgenden Vokalen aus zwei oder mehr Wörter zusammengesetzt sind. Weitere Beispiele sind der Niveauausgleich, Teeeier, zweieiig, Donauauen und Treueeid.

  6. Wenn es darum geht, wie man möglichst hübsch einen Tisch eindeckt, kommt er selbst bei einem Mehrgangmenü nicht vor. Aber vielleicht verbirgt sich ja ein Exemplar in einem Winkel Ihrer Besteckschublade? Die Rede ist von einem Göffel – einem löffelartigen Essbesteck mit Gabelzinken. Übrigens: Ein Wort, das aus einer Verschmelzung von zwei Wörtern entstanden ist, nennt man Kofferwort. Typische Beispiele sind die Jostabeere, eine Kreuzung aus Johannis- und Stachelbeere oder auch der Brunch, der aus den beiden Wörtern Breakfast und Lunch besteht. Was es noch nicht gibt, aber sicherlich mal eine coole Idee wäre: Vanillade, die sowohl nach Vanille als auch nach Schokolade schmeckt.

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