Kein generisches Maskulinum mehr im Online-Duden – ein Zeichen für gendergerechte Sprache

Wer im Duden beispielsweise die Seite mit dem Wort „Schauspielerin“ aufschlägt und mit dem Finger an der richtigen Stelle stehenbleibt, findet dort keine Definition, sondern wird nur auf das Wort „Schauspieler“ verwiesen. In Zukunft will sich der Duden jedoch mehr auf gendergerechte Sprache konzentrieren und zumindest online alle Personen- und Berufsbezeichnungen abändern.

So gibt es für die Schauspielerin und den Schauspieler mittlerweile jeweils einen eigenen Artikel, mit der Definition als „weibliche Person, die bestimmte Rollen auf der Bühne oder im Film künstlerisch gestaltet“  beziehungsweise als „männliche Person, die bestimmte Rollen auf der Bühne oder im Film künstlerisch gestaltet“. Der „Mieter“ ist nun nicht mehr „jemand, der etwas gemietet hat“, sondern von ausdrücklich eine „männliche Person, die etwas gemietet hat“. Genauso verhält es sich mit den anderen der rund 12.000 Berufs- und Personenbezeichnungen, die im Online-Duden gelistet sind.

Die Änderungsmaßnahme hat aufs Neue die Debatte um das sogenannte generische Maskulinum entfacht: Während der Duden sich nach eigenen Angaben „konsequent am allgemeinen Sprachgebrauch“ orientiert, wettern Sprachwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen wie etwa Elisabeth Leiss gegen den „Gender-Unsinn“. Zu Recht? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick und beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist ein generisches Maskulinum?

Ein generisches Maskulinum ist die männliche Form eines Worts, die stellvertretend für die männliche und die weibliche Form steht. Das ist insbesondere bei Berufs- und Personenbezeichnungen der Fall. Man nehme zum Beispiel einen Lehrer, der sich über seine lauten Schüler beschwert – im Normalfall Schüler und Schülerinnen. Wird der Lärm zu heftig, sagt der Lehrer vielleicht, er gehe zum Arzt. Gleichwohl, ob es sich dabei um einen Mediziner oder eine Medizinerin handelt. Und sonntagmorgens, wenn er ein ruhiges Frühstück genießen will, wagt er vorher vielleicht den Gang zum Bäcker. Dass hier sowohl eine Bäckerin als auch ein Bäcker hinter der Kuchentheke stehen können, erklärt sich von selbst. Ebenfalls oft gebraucht sind Pluralformen des generischen Maskulinums, so wie die Lehrer, Mieter oder Studenten, bei denen sich Frauen einfach „mitgemeint“ fühlen sollen.

Wo liegt das Problem?

Frauen fühlen sich überwiegend nicht „mitgemeint“ – und auch Männer haben bei entsprechenden Begriffen ausschließlich männliche Personen vor Augen. Dass das bereits im Kindesalter so ist, zeigten schon vor einigen Jahren zwei Studien, bei denen man mehreren hundert Grundschulkindern verschiedene Berufsbezeichnungen mit Beschreibung vorlas – manchen Kindern nur im generischen Maskulinum, manchen sowohl mit der männlichen als auch der weiblichen Form. Anschließend fragte man die Kinder danach,  ob sie sich vorstellen könnten, in diesem Beruf zu arbeiten. Das Ergebnis: Die Teilnehmerinnen der Befragung, denen man die gendergerechten Berufsbezeichnungen vorgelesen hatte, trauten sich diese Berufe eher zu.

Was sind die Alternativen zum generischem Maskulinum?

Es liegt auf der Hand: Wer sicherstellen will, dass sich Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht angesprochen fühlen, muss beides nennen – die männliche und die weibliche Form. Das kann entweder die Langform sein, so wie beispielsweise „Lehrer und Lehrerinnen“, aber auch eine Abkürzung durch ein Binnen-I („LehrerInnen“), den Schrägstrich („Lehrer/-innen“ oder „Lehrer/innen“), Klammern („Lehrer(innen)“) oder das Gendersternchen („Lehrer*innen“). Die Sorge, dass sich dadurch die Lesbarkeit eines Texts verschlechtert, scheint übrigens unbegründet zu sein. Zumindest kam eine Studie des Instituts für Pädagogische Psychologie von der TU Braunschweig zu diesem Ergebnis. Dabei legte man Studierenden einen Ausschnitt aus einem Stromvertrag in verschiedenen Ausführungen vor, einmal in maskuliner und einmal in geschlechtergerechter Form. Die Versuchspersonen empfanden die geschlechtergerechte Form als nicht komplizierter, nur etwas weniger ästhetisch – was aber auch eine Gewöhnungssache sein könnte.

Unser Fazit?

Wir kennen das Problem selbst von unserer Arbeit – oft versuchen wir dort aber, das jeweilige Wort mit einer gendergerechten Formulierung zu umschreiben. Für Fälle, in denen das nicht geht, finden wir: Einen Versuch ist es wert. Und nehmen es uns gleich als verspäteten Neujahrsvorsatz vor, mehr auf gendergerechte Sprache zu achten.

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